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OMR 2026: Was wir dieses Jahr mitgenommen haben

von Nick Sohnemann, 18 Mai 2026

Wer einmal auf der OMR war, weiß: Es gibt keine andere Veranstaltung, die so viel in so kurzer Zeit bündelt. Zwei Tage Hamburg, zehntausende Menschen, hunderte Bühnen und Stände. Für uns bei Future Candy hat die OMR eine besondere Qualität: Unsere Kunden kommen gebündelt an einen Ort. Das bedeutet, wir führen in 48 Stunden mehr relevante Gespräche als in manchem ganzen Quartal.

Gleichzeitig ist die OMR inzwischen mehr als eine Networking-Messe. Sie ist ein Stimmungsbarometer. Wer genau hinschaut, sieht dort sehr klar, wohin sich Technologie, Marketing und digitale Geschäftsmodelle bewegen. Drei Thesen nehmen wir aus diesem Jahr mit.

These 1: KI ist kein Trend mehr, sie ist das Business-Thema schlechthin

Vor ein paar Jahren musste man auf der OMR noch erklären, was KI ist und warum sie relevant sein könnte. Das ist vorbei. KI ist längst in den Mittelpunkt gerückt und hat dabei viele andere Technologiethemen einfach absorbiert. Themen, die in den letzten Jahren eigenständig diskutiert wurden, tauchen jetzt nur noch als KI-Anwendungsfälle auf.

Die dominante Ausprägung dieser Entwicklung ist aktuell Agentic AI. Autonome KI-Agenten, die nicht nur beraten, sondern handeln. Auf der OMR gab es unzählige Anbieter, die genau das zeigen wollten. Die entscheidende Frage, die überall in der Luft lag: Wie weit geht die Autonomie? Sage ich künftig einfach meinem KI-Agenten, welches Produkt ich kaufen möchte, und er erledigt den gesamten Prozess? Oder bleibt der Mensch stärker eingebunden, und die KI macht eher intelligente Vorschläge und Vorauswahlen?

Eine Antwort gibt es noch nicht. Genau diese Prozesse und Interfaces werden gerade verhandelt. Wer das verstanden hat, weiß: Jetzt ist der richtige Moment, um eigene Positionen zu entwickeln, bevor andere das tun.

These 2: Europa sucht seinen eigenen technologischen Weg

Es war auffällig, wie sichtbar europäische Anbieter auf der diesjährigen OMR waren. Payment-Lösungen wie Mollie, E-Mail-Marketing-Anbieter wie Brevo, KI-Plattformen wie Langdock. Kein Zufall. Das Thema „De-Risking“ gegenüber amerikanischer Software ist realer geworden. Geopolitische Unsicherheiten, Datenschutzfragen und die Abhängigkeit von amerikanischen Cloud-Infrastrukturen haben dazu beigetragen, dass Unternehmen ernsthaft anfangen, Alternativen zu suchen und zu fördern.

Gleichzeitig zeigt sich dabei der europäische Ansatz im Umgang mit KI sehr deutlich. Begriffe wie Risiko, Hochrisiko oder Regulierung spielen hier von Anfang an eine zentrale Rolle. Europa versucht nicht nur, KI zu skalieren, sondern sie gleichzeitig regulatorisch einzuhegen. Das ist kein Widerspruch, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Es ist eine bewusste Positionierung: KI ja, aber nicht um jeden Preis.

Ob diese Positionierung langfristig ein Wettbewerbsvor- oder -nachteil ist, bleibt offen. Die OMR hat gezeigt, dass die Debatte darüber gerade erst richtig beginnt.

These 3: Das Niveau der Diskussionen hat sich spürbar verschoben

Die OMR ist von Jahr zu Jahr anspruchsvoller geworden. Was früher ein Ort war, um operative Marketingfragen zu besprechen, ist heute ein Ort für größere technologische und gesellschaftliche Gedankenspiele. Viele Diskussionen bewegen sich längst nicht mehr auf der Ebene „Was ist KI?“ – sie starten auf einer infrastrukturellen Ebene.

Gibt es Alternativen zu CUDA, der Basistechnologie hinter Nvidias Chips? Gibt es ernstzunehmende Alternativen zu amerikanischen Large Language Models und der Transformer-Architektur? Wie verändert KI Arbeitsmärkte und Produktivität, und was passiert möglicherweise mit Beschäftigung in Wissensberufen?

Das sind keine abstrakten Hochschuldebatten mehr. Das sind Fragen, die Führungskräfte auf der OMR zwischen zwei Terminen stellen. Wer in diesen Gesprächen mithalten will, muss sich ernsthaft mit der Tiefe des Themas auseinandersetzen. Das technologische Grundverständnis, das die OMR inzwischen voraussetzt, ist bemerkenswert hoch.

Wir kommen jedes Jahr wieder. Nicht nur wegen der Gespräche, sondern weil die OMR uns zwingt, den eigenen Blick zu kalibrieren. Was bewegt die Branche wirklich? Wo stehen unsere Kunden? Und wo werden sie in zwei Jahren stehen müssen? Dieses Jahr haben wir klare Antworten mitgenommen. Die Arbeit damit beginnt jetzt.



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