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New Work Status Quo – Das Interview mit Wolf Fieger

von Stephanie Janszen, 10 Mai 2021

Wolf Fieger im Interview zu New Work: „Es sind Fragen nach der Sinnhaftigkeit sehr präsent geworden im letzten Jahr“

New Work präsentiert sich, stark beschleunigt durch die
Pandemie, als prominentestes Thema des Strukturwandels. Das Prinzip wirft viele Fragen auf: Was sind die Auswirkungen und
Herausforderungen in der neu definierten Arbeitswelt? Wie
werden Führungskräfte zu Pionieren und welche Maßnahmen
unterstützen die Mitarbeiter nachhaltig in einer positiven
Arbeitskultur?
Der FUTURE CANDY New Work Workshop bietet
Kompetenzvermittlung zum Thema „neue Arbeitsorganisation im Unternehmen“ und richtet sich vor allem an Mitarbeiter und
Führungskräfte, die sich einen Überblick zu den New Work-
Prinzipien und ihren Methoden und verschaffen wollen. Unser Kollege Wolf Fieger leitet die FUTURE CANDY WORKSHOPS.
In diesem Interview gibt er uns einen Einblick zum Status Quo in den Unternehmen, erklärt, welche Unterstützungen bei der
erfolgreichen New Work-Transformation notwendig sind und spricht über relevante Aspekte wie Vertrauenskultur und die
Einbindung technischer Tools.

Wolf, Du bist Innovation Manager bei FUTURE CANDY und
leitest die Workshop Formate der Innovationsagentur. Wie
erlebst Du das neue Digitalformat, lassen sich Workshops
remote gut umsetzen?

Ja. Da kann ich auf jeden Fall ein ganz klares Ja geben. Viele unserer Kunden und auch wir selbst, mussten uns natürlich mit dem Beginn der Pandemie im letzten März radikal umstellen. Angebote vor Ort waren nicht mehr möglich und so haben wir sie direkt ins Digitale übersetzt. Das hat überraschend gut funktioniert. Wir haben sehr schnell angefangen, digitale Tools noch weiter auszubauen, die wir auch vorher schon genutzt haben und digitale Workshops und Angebote für unsere Kunden geschaffen.
Am Anfang haben wir auch gemerkt, dass viele Kunden mit einigen der Kollaborationstools noch nicht ganz so vertraut sind. Dazu wurden dann Einführungsvideos erstellt und verschiedenste kleine Trainingsformate entwickelt, um diese Hürden einfach zu meistern.
Einige Kunden sagen sogar, der digitale Workshop ist teilweise sogar noch produktiver als im realen Umfeld.

Das Thema NEW WORK ist ja zu DEM Trend im Arbeitsmarkt geworden, stark beschleunigt durch die neue Home Office-
Situation während der Pandemie 2020/21. Wo stehen die
Unternehmen gerade?

Bis Anfang des Jahres herrschte allgemein eher noch eine leicht resignierte Stimmung, ein Ende der Pandemie schien nicht in Sichtweite. Man hatte den Eindruck als würde es noch Jahre dauern bis wir zurückkehren in die Normalität. Jetzt ist es eher so, dass die Perspektive, zurück ins Büro zu gehen dominiert und auch der Wunsch danach deutlich wird. Eine große Challenge für die Unternehmen, die nun erforderliche Hygienekonzepte bereitstellen und den entsprechenden Rahmen bieten müssen, damit man beide Alternativen nutzen und sowohl im Home Office als auch im Büro arbeiten kann. Da müssen natürlich auch die Tools hinterherkommen, also die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, um diese neue Arbeitssituation zu ermöglichen. Oft sind die noch nicht gegeben – einige Arbeitgeber haben es erst nach Monaten geschafft, Laptops und mobile Endgeräte bereitzustellen fürs Home Office, das ist natürlich ein Problem. Viele Unternehmen haben die neuen Notwendigkeiten aber nun verstanden und optimieren die Rahmenbedingungen. So ist zumindest mein Eindruck.

Wie unterstützt der FUTURE CANDY Workshop diese
Prozesse? Gib uns doch bitte einmal einen kurzen Überblick über die Inhalte.

Bei FUTURE CANDY geht es um die Kompetenzentwicklung unserer Kunden bei neuen Fragestellungen und Inhalten, ob New Work, die Implementierung von neuesten Tools und Technologien oder was auch immer die Herausforderungen im Unternehmen gerade sind. Wir unterstützen mit Impulsvorträgen, Praxisbeispielen und geben Handlungsempfehlungen.
Grundsätzlich helfen wir Unternehmen bei der Transformation.
Es handelt sich um einen Co-Creation-Prozess, das heißt, wir sitzen mit dem Kunden zusammen und erarbeiten gemeinsam neue Ideen und Lösungen, seien es nun innovative Geschäftsmodelle, einzelne Servicebereiche oder einfach mal neuartige Ideen, die eine Abteilung voranbringen. Wir stellen fest, wie diese Prozesse eingebunden werden können, andere Ansätze entwickelt werden und wie man die Zusammenarbeit verbessert. Dazu nutzen wir verschiedenste Bausteine und Analysetools. Der Workshop richtet sich an das gesamte Team, Mitarbeiter und Führungskräfte.

Die Idee ist ja schon etwas älter. Sie stammt von Frithjof Bergmann, der Mitte der 70er Jahre diesen Ansatz entwickelt hat. Wir sind von seiner Grundidee heute noch weit entfernt, aber ich glaube, es sind eher einzelne Aspekte, die aktuell relevant sind, nämlich Vertrauenskultur, technischer Support und eine allgemeine Unterstützung der Mitarbeiter. Teamgeist und der Blick auf das gemeinsame Ziel rücken in den Fokus. Das sind für mich die ganz wichtigen Dinge. Größere Thematiken, wie autonome Teams, hierarchielose Unternehmen oder Soziokratie, sind Prinzipien, die Unternehmen im großen Stil verändern können. Hier sehe ich gerade noch nicht, dass dieser Wandel bereits stattfindet. In Krisenzeiten versucht man nun erst einmal, das Schiff auf Kurs zu halten und die Veränderungen folgen dann Schritt für Schritt. Für die ganz großen Themen ist noch nicht die Zeit, aber ich denke, das wird auf jeden Fall kommen. Auch im Hinblick auf die gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen, die gerade stattfinden. Durch die Erfahrungen des letzten Jahres hat sich der Prozess beschleunigt und lässt sich nun auch nicht mehr rückgängig machen.

Welche Methoden nutzt Du bei den Workshops? Werden agile Methoden angewandt?

Wir nutzen die gängigen State-of-the-Art Methoden und Tools. Überblicksartige Kommunikationstools eignen sich sehr gut, um die Dinge auf den Punkt zu bringen. Angefangen mit dem Business Modell Canvas, über Assumption Mapping oder Costumer Journey machen wir dabei sehr positive Erfahrungen, auch Miro ist eine gute Unterstützung in den Workshops.
Design Thinking vereint viele dieser Methoden und Ideen und ist ein Ansatz, der schnell sichtbare Ergebnisse produziert. Dabei geht es nicht nur um die Ideenentwicklung, sondern darum, konkrete Lösungen herauszuarbeiten und diese dann zu visualisieren, bzw. mit Hilfe von Prototypen fassbar zu machen. Aber auch Ansätze des Lean StartUps setzen wir in unseren Workshops um, die helfen, Dinge schnell auf die Straße zu bringen. Je nach Anforderung der Unternehmen und der Auftragsstellung entscheiden wir uns für die entsprechenden Werkzeuge.

Wie nah sind denn die Strukturen heute an dem
Ursprungsmodell von Frithjof Bergmann? Du sagst, wir sind noch weit vom Grundmodell entfernt. Gibt es da angepasste Entwicklungsprozesse?

Frithjof Bergmann hat das Konzept während seiner Anstellung bei General Motors entwickelt, in einer Zeit, in der Automatisierungsprozesse die Arbeitsplätze gefährdeten. Viele Arbeitsstellen wurden obsolet. Diese Situation brachte Frithjof Bergmann als Philanthrop dazu, sich mit den grundsätzlichen Arbeitsbedürfnissen der Gesellschaft auseinanderzusetzen und zu untersuchen, was die Menschen sich von ihrem Arbeitsumfeld wünschen würden. Gibt es nicht vielleicht auch andere Wege, Arbeit zu organisieren? 1984 hatte Bergmann General Motors dann überzeugt, das erste Center for New Work in Michigan zu gründen.
Grundsätzlich kann man den philosophisch geprägten Ansatz von Bergmann als Utopie begreifen. Mit der Entwicklung von KI stehen wir aktuell vor einem ähnlichen Szenario. Inwieweit sorgt Künstliche Intelligenz dafür, dass Menschen ihre Arbeit verlieren? Das wird eine spannende Debatte, die man führen muss.
Allerdings ist das, was unter New Work heute verstanden wird, nicht, was Frithjof Bergmann meinte, wie er auch vor ein paar Jahren im Interview klar sagte. Heute geht es bei dem New Work-Konzept um Arbeit, in der ich Wertschätzung erfahre und bei der ich meine Potentiale entfalten kann. Stichworte sind auch Vertrauensarbeitszeit und Vertrauensarbeitsort. Die althergebrachten Hierarchiestrukturen, die ja noch aus den Anfängen der Industrialisierung stammen, lösen sich auf, bzw. werden immer flacher. Agile Prozesse, die mit den passenden Tools auf die neuen Anforderungen am Markt reagieren, tragen der veränderten Dynamik und Komplexität Rechnung.

Die Transformation des Arbeitsmarktes ist ja bereits in vollem Gange. Es scheint, als ruhten sich manche Industrien aber
immer noch in den Strukturen der Vergangenheit aus. Top-Down-Prinzipien sind doch recht sperrig, wenn es um
Transformation geht. Du arbeitest viel mit Großkonzernen. Wie erlebst du die Hierarchien bei den Master Classes?

Es ist natürlich nach wie vor so, dass bei unseren Kunden Hierarchien vorhanden sind. Das merken wir vor allem bei den Entscheidungsprozessen. Autonome Teams gibt es aber vereinzelt auch in den großen Unternehmen. In Innovation Labs z.B . werden diese ausgelagert, wo man die neuen Strukturen auf Umsetzbarkeit prüfen kann. Man schaut da oft zu den StartUps und Agenturen, wo flache Hierarchien bereits alltäglich sind. Aber auch, wenn diese neuen Routinen in den meisten Unternehmen noch nicht zum Alltag gehören, würde ich sagen, dass sich in dem Bereich etwas bewegt. Da ist auf jeden Fall Musik drin.

Konnektivität und Globalisierung, die Digitalisierung hat
einen Schub erfahren. Home Office für – fast – alle. Was sind die großen Herausforderungen, wo können wir mit einer neuen Perspektive nachbessern?

Das größte Problem, das ich aktuell sehe, ist die Beschleunigung, die wir gerade erleben. Es fehlt an Ausgleich zur Arbeitszeit am Rechner. Hier sind die Arbeitgeber gefragt, Angebote zu schaffen, die die Mitarbeiter entlasten. Das können Sportangebote, Tools für den Arbeitsplatz oder auch andere Arbeitsumgebungen, z.B. CoWorking Spaces sein, die zu Verfügung gestellt werden.
Was uns allen fehlt, das ist uns auch bei Future Candy sehr aufgefallen, ist der soziale Austausch. Da sind informelle Meetings eine gute Lösung, der Kaffeeplausch im virtuellen Raum oder Ähnliches. Wie unser Geschäftsführer und Gründer Nick Sohnemann immer sagt, sollte man die sogenannte Serendipity fördern. Also glückliche Zufälle herbeiführen.
Auch ist es gut darauf zu achten, den Kontakt mit den Führungskräften regelmäßig aufrecht zu erhalten. Transparenz schafft Vertrauen.
Auf lange Sicht brauchen wir als soziale Wesen den persönlichen Austausch. Das ist das Allerwichtigste.

Es geht bei dem New Work Prinzip um einen kompletten
Kulturwandel, eine neue Haltung. Selbstorganisation und Kommunikation auf Augenhöhe. Die aktive Verantwortung des Einzelnen mit Blick auf ein gemeinsames Ziel steht im Fokus. Wie siehst du den Status Quo hier? Wie weit entfernt sind wir noch von diesem New Normal?

New Normal kann man gar nicht so pauschal sagen. Ich glaube wichtig ist, und das ist auch wieder ein Aspekt, den Bergmann entwickelt hatte, dass Arbeit den Menschen stärken soll. Wenn man dieses Prinzip als Unternehmer:in beherzigt und darauf den Fokus legt, bringt man damit den Transformationsprozess voran. Wir erfahren immer wieder bei uns und auch bei anderen Agenturen und Consultings, dass sich die Anfragen häufen. Die Unternehmen, die Hilfe bei diesen Transformationsthemen brauchen, suchen die Unterstützung entsprechender Experten, weil sie es aus eigener Kraft nicht schaffen. Oft herrscht eine bestimmte Betriebsblindheit. Und wir wissen Alle, wenn sich erst einmal eine bestimmte Routine eingeschlichen hat, lassen sich diese Strukturen nur schwer verändern.

Es gibt auch die Situation, wo es eigentlich gut läuft, wie zum Beispiel bei den Hidden Champions. Dort besteht vermeintlich kein Handlungsbedarf und so wird oft die Notwendigkeit unterschätzt und erst sehr spät gehandelt. Es fehlt manchmal ein bisschen der Blick in die etwas weiter entfernte Zukunft und das Bewusstsein, dass man sich eben doch langsam anpassen muss. Auch weil da gerade eine neue Generation heranwächst, die dieses neue Mindset bereits verinnerlicht.

Die Welt verändert sich für uns alle offensichtlich. Viele Themen, die uns gerade beschäftigen, bringen eine fundamentale Transformation in Gang. Niemand kann sagen, er hätte davon nicht gewusst oder man hätte nicht sehen können, wo die Reise hingeht. Nachhaltigkeit, New Work, Gender- und Diskriminierungsdebatten, all das steht jetzt einfach auf dem Plan, davor kann ich jetzt nicht einfach die Augen verschließen. Diese Themenstellungen verändern unsere Lebensrealitäten gerade nachhaltig. Es mag lange dauern bis sich das große Schiff in Bewegung setzt. Aber wenn es einmal begonnen hat, ist der Wandel nicht mehr aufzuhalten.

Du unterstützt Unternehmen mit den FUTURE CANDY
Workshops bei der Kompetenzentwicklung. New Work ist
davon nur ein Baustein. Welche Themen sollten wir 2021 im Fokus behalten?

Die Megatrends wie Strukturwandel, Nachhaltigkeit und Technologien werden bleiben.
Flexibilität im Unternehmen wird immer stärker gefragt sein, agiles Arbeiten mit entsprechenden Tools und ein offenes Mindset werden die Wettbewerbsfähigkeit in Zukunft immer deutlicher steigern.
Als Innovationsagentur mit technischem Schwerpunkt richten wir den Blick natürlich neben der Nutzung verschiedenster Methoden und Tools auch immer auf die Hardware. Im Bereich Stadtplanung wird in den nächsten Jahren viel passieren. Die Idee der autofreien Stadt steht europaweit im Fokus und bietet innovative Ansatzpunkte. Last Mile-Lösungen werden immer mehr Raum einnehmen und die großen Fahrzeuge verdrängen. Der Siegeszug des Cargo-Bikes der letzten Jahre ist hier nur der Anfang. Aber auch die Entwicklung von Personal Robots beobachten wir mit großem Interesse. Gerade im Bereich Hygiene, Pflege und Retail haben die kleinen Roboter großes Potential. 2021 wird ein innovatives Jahr bleiben!



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