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KI

Candy Dash im Einsatz: Sechs eigene Tools statt SaaS-Abos

28. September 2026 · Hamburg · Von Tim Harms

Das Portal von CANDY DASH mit den sechs Tools CANDY WORK, CANDY PIPE, CANDY TASK, CANDY STASH, CANDY NOTES und CANDY PROPOSAL

Jedes Unternehmen kennt die Liste: ein Tool fürs Personal, eins fürs Equipment, eins für den Vertrieb, dazu Excel-Vorlagen und Word-Dateien für alles, wofür es kein Tool gibt. Jedes für sich vernünftig. Zusammen eine monatliche Rechnung, die niemand mehr hinterfragt – und ein Dutzend Orte, an denen unsere Daten liegen.

Wir haben angefangen, diese Liste zu kündigen. Nicht aus Prinzip, sondern weil sich die Rechnung umgedreht hat: Mit KI-Coding-Werkzeugen wie Claude Code ist es inzwischen billiger, die eigene Software zu bauen, als sie zu mieten. Seit August 2026 ist das bei uns keine These mehr, sondern Tagesgeschäft – sechs Tools laufen im Betrieb, das ganze Team arbeitet jeden Tag damit.

Was CANDY DASH wirklich ist

CANDY DASH ist kein Dashboard, sondern die Eingangstür: ein Login für alle Tools, dazu Rollen, Nutzerverwaltung und eine Statusseite, die zeigt, ob alles läuft. Wer sich einmal anmeldet, kommt in jedes Werkzeug. Eine Glocke sammelt über alle Tools hinweg ein, was noch offen ist, und in jedem Tool steht oben dasselbe Menüband – wer eins bedienen kann, kann alle bedienen. Sechs Tools hängen daran:

CANDY PIPE: das Sales Board mit drei Spalten und Deal-Karten erfundener Firmen
CANDY PIPE: Das Sales Board ist die Startseite, jede Karte ein Deal.
CANDY TASK: das Board mit Aufgaben für heute und später
CANDY TASK: heute oder später – und bei Nachfragen vier Antworten mit einem Klick.

Nichts davon ist ein Produkt, das wir verkaufen wollen. Es ist Software, die exakt so funktioniert, wie wir arbeiten – statt dass wir so arbeiten, wie die Software es vorsieht. Genau das sieht man den Tools an: Die Delegationskette in CANDY TASK und die zwei Lebenszyklen eines Deals in CANDY PIPE hätte kein Anbieter für uns gebaut. Sie ergeben nur für uns Sinn – und genau deshalb benutzt sie auch jeder.

Sechs Tools, ein Ablauf

Der größte Unterschied zu einer Sammlung einzelner Abos zeigt sich erst im Zusammenspiel. Eine Anfrage wird in CANDY PIPE zum Deal. Ein Klick daran öffnet CANDY PROPOSAL, Firma und Anschrift stehen schon drin, die Angebotsnummer vergibt CANDY PIPE. Ist der Auftrag gewonnen und die Leistung erbracht, stellt CANDY PIPE selbst die nächsten Aufgaben in CANDY TASK: erst „Belege hochladen“, dann „Rechnung stellen“.

Die Notizen aus dem Kick-off hängen in CANDY NOTES am selben Deal, ihre To-dos landen als Aufgaben bei den richtigen Leuten. Und wo Kunden Zeitnachweise brauchen, buchen wir die Stunden in CANDY WORK direkt auf den Deal. Niemand tippt etwas zweimal ab – und die Glocke im Portal sagt jedem, was als Nächstes bei ihm liegt.

CANDY NOTES: Notiz zu einem Kick-off mit Stichpunkten, Textmarker und einer eingefügten Skizze
CANDY NOTES: erst schreiben, später zuordnen. Screenshots und Skizzen kommen per Strg+V in die Notiz.

Gebaut neben dem Tagesgeschäft

Seit zwei Monaten sind die Tools im Einsatz. Gebaut haben sie Leute aus dem Team nebenher – niemand hat dafür seinen Job gewechselt, und wir haben keine Entwickler eingekauft. Seitdem wächst die Suite weiter: Mitte September ging CANDY NOTES live, dazu ein Onboarding, das neue Kolleginnen und Kollegen im Portal durch jedes Tool führt.

Vor zwei Jahren wäre das Unsinn gewesen. Ein eigenes HR-Tool bauen, für ein Team unserer Größe? Die Entwicklungskosten hätten Jahrzehnte an Lizenzgebühren verschlungen.

Was sich geändert hat, ist die Geschwindigkeit. Der Aufwand verschiebt sich vom Programmieren zum Beschreiben: Wer genau sagen kann, wie der eigene Spesenprozess aussieht, bekommt genau diesen Prozess als Software. Das ist der Kern von Vibe Coding – und der Grund, warum wir es nicht nur bei Kunden erzählen, sondern selbst durchziehen. Der Nebeneffekt ist größer, als er klingt: Änderungswünsche landen nicht im Ticket-Backlog eines Anbieters, sondern sind oft am selben Tag live.

Vorführen ohne echte Daten

Seit Ende September läuft CANDY DASH ein zweites Mal: als Demo mit erfundenen Firmen, erfundenen Deals und einer erfundenen Kollegin namens Lena Brause. Damit zeigen wir die Tools in Kundenterminen, ohne dass dabei ein echter Kundenname über den Bildschirm läuft. Bei jedem Start beginnt die Demo von vorn. Alle Screenshots in diesem Beitrag stammen von dort.

CANDY WORK auf dem Handy mit aufgeklapptem Menü, Überstundensaldo und Urlaubskonto
CANDY WORK auf dem Handy: Zeiten werden oft unterwegs eingetragen.

Was der Betrieb kostet

Alles läuft auf einem einzigen Server bei Hetzner in Deutschland – vier Kerne, acht Gigabyte, 8,49 Euro im Monat. Dazu eine zweite Maschine, auf die jede Nacht eine verschlüsselte Sicherung wandert. Gegen ein Dutzend SaaS-Abos mit Preisen pro Kopf und Monat ist diese Rechnung schnell erzählt.

Ehrlich wird sie aber erst mit der zweiten Hälfte: Selbst gebaute Software ist nicht gratis. Jemand muss sie warten, absichern und weiterentwickeln, und das ist echte Arbeitszeit. Ein SaaS-Anbieter liefert Support, Updates und Compliance mit – das übernimmt jetzt niemand mehr für uns. Deshalb haben wir den Betrieb von Anfang an mitgebaut: Zwei-Faktor-Anmeldung, Sitzungen, die sich sofort widerrufen lassen, verschlüsselte Verbindungen bis in jedes Tool, eine geprobte Wiederherstellung der Sicherung, ein Wächter, der sich im Teams-Kanal meldet, wenn ein Tool nicht antwortet, und ein wöchentlicher Check aller Abhängigkeiten auf Sicherheitslücken. Das ist kein Nebenbei-Thema, und wer eigene Software betreibt, sollte es auch nicht so behandeln.

Unsere Rechnung dahinter: Statt laufender Abo-Gebühren zahlen wir im Wesentlichen den Server, die Nutzung der KI-Modelle und unsere eigene Zeit. Das lohnt sich – aber nur, weil die Werkzeuge inzwischen gut genug sind, dass die eigene Zeit überschaubar bleibt. Und es lohnt sich nicht für alles: Unsere Buchhaltungssoftware bauen wir nicht nach, unser E-Mail-Postfach auch nicht. Die Grenze verläuft dort, wo Spezialwissen und Haftung anfangen.

Die Daten bleiben im Haus

Das Thema, das in jedem unserer Gespräche mit Banken und Mittelständlern zuerst fällt, ist Datenhoheit. Unsere Personaldaten, Angebote und Deals liegen jetzt auf unserem Server, nicht bei einem Anbieter, dessen Subunternehmer-Liste wir einmal im Jahr im Datenschutz-Anhang überfliegen. Die Tools laufen komplett getrennt von dieser Website – wer hier liest, kommt ihnen nicht näher.

Der eigentliche Punkt

CANDY DASH ist für uns eine KI-Case-Study in eigener Sache – wie Martha, unser KI-Agent im Messenger. Wir erzählen Kunden ständig, was mit KI heute möglich ist. Das glaubwürdigste Argument ist, es selbst zu tun und die Ergebnisse zu zeigen – inklusive der Stellen, an denen es hakt. Wer alle Tools mit Screenshots sehen will: Wir haben CANDY DASH als Projekt dokumentiert.

Und es verändert eine Grundsatzfrage im Einkauf: Die Standardfrage war jahrelang „Welches Tool kaufen wir?“. Sie wird gerade zu „Bauen oder mieten?“ – und die Antwort fällt immer öfter anders aus als noch vor zwei Jahren. Welche eurer Abos dieser Frage standhalten, klären wir beim Vibe Coding Scoping & Build Day.