Home / Magazin / Eine Innovation aus der Bundeswehr, von der Organisationen lernen können

Eine Innovation aus der Bundeswehr, von der Organisationen lernen können

von Roman Weishäupl, 13 März 2026

Spark Cells verlagern Innovation dorthin, wo Probleme entstehen – und machen Mitarbeitende zu Intrapreneuren in Teilzeit.

Vier Soldaten sitzen an einem Tisch und diskutieren über ihre Projekte. Vor ihnen liegen Skizzen, Notizen und erste Prototypen. Das Gespräch springt zwischen Themen: neue Möglichkeiten der Drohnenüberwachung, mehrere kleinere Verbesserungen für den Alltag der Einheit und ein technisches Haken-System, das Arbeitsabläufe deutlich vereinfachen könnte.

Einer der Soldaten erzählt von einem Schmied im Ort. Gemeinsam haben sie eine neue Version des Hakens entwickelt. Ein anderer berichtet vom Stand des Drohnenprojekts.

Das Bild ist KI-generiert. Aus Sicherheitsgründen veröffentlichen wir keine Aufnahmen unserer Arbeit mit der Bundeswehr.

 

Es ist kein offizieller Innovationsworkshop. Keine Strategieklausur. Keine Präsentation vor einem Entscheidungsgremium.

Es ist ein Gespräch über Probleme – und darüber, wie man sie lösen kann.

Solche Gespräche entstehen derzeit an mehreren Stellen innerhalb der Bundeswehr. Sie sind Teil eines Ansatzes, der eine grundlegende Frage stellt: Was wäre, wenn Innovation nicht primär in Innovationslaboren, Programmen oder Strategieabteilungen entsteht – sondern im Alltag der Organisation selbst?

 

Innovation lässt sich nicht zentral planen. Aber Organisationen können Räume schaffen, in denen sie entsteht.

 

Viele Organisationen versuchen Innovation bewusst zu organisieren. Sie bauen Innovation Labs, starten Transformationsprogramme oder schaffen Einheiten, die sich mit Zukunftstechnologien beschäftigen. Diese Initiativen setzen wichtige Impulse und schaffen Aufmerksamkeit für neue Themen. Gleichzeitig entsteht dabei häufig eine Distanz zum operativen Alltag der Organisation.

Die Menschen, die täglich mit Systemen, Prozessen und Problemen arbeiten, sind selten Teil dieser Innovationsräume. Dabei kennen gerade sie die Schwachstellen am besten.

Hier setzt ein Ansatz an, den die Bundeswehr derzeit aufbaut: sogenannte Spark Cells. Dabei handelt es sich um kleine, dezentrale Innovationszellen innerhalb von Einheiten. Sie schaffen einen strukturierten Raum, in dem Mitarbeitende Probleme identifizieren, Ideen entwickeln und konkrete Lösungen ausprobieren können. Das Modell stammt ursprünglich aus der US Air Force und wurde im Innovationsprogramm AFWERX entwickelt. Ziel war es, Innovationsfähigkeit direkt in den Einheiten zu stärken – nicht nur in zentralen Organisationseinheiten.

Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie radikal: Innovation soll nicht nur von einer zentralen Abteilung kommen. Sie soll dort entstehen, wo Menschen täglich mit Herausforderungen arbeiten.

In vielen Organisationen schlummert ein enormer, oft unterschätzter Schatz: Menschen, die Prozesse hinterfragen. Menschen, die technische Lösungen ausprobieren würden. Menschen, die genau wissen, wo Systeme im Alltag nicht funktionieren.

Doch Routinen, Hierarchien und Zuständigkeiten lassen im Arbeitsalltag häufig wenig Raum, um solche Ideen tatsächlich umzusetzen.

Spark Cells setzen genau hier an. Sie schaffen einen strukturierten Raum, in dem Mitarbeitende nicht nur Probleme melden, sondern selbst beginnen, Lösungen zu entwickeln. Aus Mitarbeitenden werden Intrapreneure in Teilzeit – Menschen, die neben ihrem Tagesgeschäft unternehmerisch denken, Ideen entwickeln und Verbesserungen vorantreiben. Häufig entsteht dieses Engagement aus intrinsischer Motivation: Mitarbeitende investieren Zeit und Energie, weil sie ihre Arbeit besser machen wollen.

 

Damit entsteht mehr als nur ein Innovationsprozess. Es entsteht Kulturwandel.

 

Organisationen sprechen häufig über Transformation, neue Arbeitsweisen oder Innovationsfähigkeit. Doch Kultur verändert sich selten durch Programme oder Leitbilder. Kultur verändert sich durch Strukturen, die neues Verhalten ermöglichen.

Spark Cells schaffen genau eine solche Struktur. Sie geben Menschen einen Raum, in dem Ideen nicht nur diskutiert, sondern ausprobiert werden können. Probleme werden nicht mehr nur gemeldet, sondern aktiv bearbeitet. Innovation wird dadurch nicht zu einer Initiative neben dem Tagesgeschäft – sie wird Teil des Arbeitsalltags.

Gemeinsam mit dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr arbeiten wir daran, Spark Cells an verschiedenen Standorten aufzubauen und Einheiten dabei zu unterstützen, ihre Innovationsarbeit zu strukturieren: von der Ideensammlung über Bewertung und Priorisierung bis zur Umsetzung und Erprobung von Lösungen.

Was dabei entsteht, ist kein weiteres Innovationslabor. Es entsteht ein Netzwerk von Menschen innerhalb der Organisation, die Probleme erkennen und selbst daran arbeiten, sie zu lösen.

Vielleicht liegt genau hier eine wichtige Lektion für viele Unternehmen. Während Organisationen häufig versuchen, Innovation über Programme, Methoden oder zentrale Einheiten zu steuern, übersehen sie oft, wo ein großer Teil ihres Innovationspotenzials tatsächlich liegt.

Bei den Menschen im eigenen Haus.

 

Bei den Menschen, die jeden Tag mit den Herausforderungen der Organisation arbeiten.

Und manchmal beginnt Innovation genau so, wie in diesem Raum der Soldaten.

Drei Testläufe später ist das neu entwickelte Haken-System im täglichen Einsatz der Einheit. Die Finanzierung für das Drohnenprojekt ist inzwischen bewilligt, der erste Testflug steht kurz bevor. Jetzt treffen sich die Soldaten wieder in ihrer Einheit, diskutieren neue Ideen und bringen weitere Vorschläge ein.

Innovation hört hier nicht nach einem Projekt auf. Sie geht weiter.

Vielleicht beginnt Innovation genau dort, wo Organisationen ihren eigenen Menschen wieder zutrauen, Dinge zu verändern.


Mehr über Spark Cells erfahren

Wenn Sie mehr über das Konzept der Spark Cells erfahren möchten oder prüfen wollen, ob ein ähnlicher Ansatz auch in Ihrer Organisation pilotiert werden kann, wenden Sie sich gerne an unseren Direktor Roman Weishäupl.

Als Vertragspartner der Bundeswehr können wir nur über öffentlich freie Informationen berichten und veröffentlichen kein Bildmaterial aus unserer Arbeit.

 



Unser kostenloser Newsletter!

Kontakt aufnehmen

    Feel free to say hello
    NICK SOHNEMANN Founder & Managing Director +49 40 52 47 66 6-0 info@futurecandy.com
    FUTURE CANDY GmbH Gotenstraße 6 20097 Hamburg Deutschland